Festpreis verspricht Kostensicherheit, Time & Material verspricht Flexibilität. Beide Aussagen greifen zu kurz. Das passende Modell hängt davon ab, wie gut Ergebnis und Grenzen bekannt sind und wer das Risiko neuer Erkenntnisse tragen kann.
Festpreis braucht einen festen Gegenstand
Ein belastbarer Festpreis setzt klare Anforderungen, Abnahmekriterien, Schnittstellen und Annahmen voraus. Je größer die Unsicherheit, desto mehr Risikopuffer muss ein Anbieter einplanen. Werden Änderungen wahrscheinlich, braucht es einen sauberen Änderungsprozess – sonst wird jede neue Erkenntnis zur Verhandlung.
Festpreise passen gut zu begrenzten Migrationen, definierten Integrationen oder klar beschriebenen Erweiterungen. Für eine frühe Produktidee können sie falsche Sicherheit erzeugen.
Time & Material braucht aktive Führung
Bei Time & Material werden tatsächlich eingesetzte Kapazitäten vergütet. Das unterstützt iterative Produktentwicklung, ist aber kein Freibrief für offenen Umfang. Ein priorisiertes Backlog, kurze Lieferintervalle, Budgetgrenzen und regelmäßige Abnahme sind notwendig, damit Flexibilität steuerbar bleibt.
Kunden sollten jederzeit sehen, welches Ergebnis als Nächstes entsteht, welche Risiken bekannt sind und welche Entscheidung Budget beeinflusst.
Discovery getrennt betrachten
Wenn wesentliche Annahmen offen sind, kann eine kurze bezahlte Discovery die sinnvollste erste Vereinbarung sein. Sie konkretisiert Zielbild, Risiken, Architekturgrenzen und einen ersten Release-Scope. Danach lässt sich fundierter entscheiden, welcher Teil fest und welcher flexibel beauftragt wird.
Hybride Modelle
Ein begrenzter Pilot kann zum Festpreis laufen, während die anschließende Produktentwicklung nach Time & Material geführt wird. Ebenso können Budget-Caps und definierte Entscheidungs-Gates Flexibilität begrenzen, ohne ein künstlich starres Pflichtenheft zu erzeugen.
Das Ziel ist nicht das theoretisch sicherste Vertragsmodell, sondern eine faire Verteilung der tatsächlich vorhandenen Unsicherheit.